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MEHR ALS VIELE WORTE

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Across the Universe

Und wär ich nur kahle Stelle
aus grauer Körnung und Kies,
gesichtsloses Bauwerk am Ring,
ich säumte den Hort jeder Leere
wie Bordüre und blumiges Ding.

Vielleicht nur sandiger Pfad

an symmetrischer Seele Fluss,
rostiger Sprungturm im Schnee,
Kaprizen stünden im vollen Blust,
Zauberwelt wäre mir Plädoyer.

Sei du mir charmante Poesie,
geformt im Muttersprachengeist,
alle Freiflächen übergösse ich
mit regen Momenten aus Ödnis
und leiser Verwunschenheit.

So mag der Juni uns begrünen,
Galaxien brächen gar entzwei;
mir eine Wesensart versüßen,
dich erdichten im knospenden
Gepräge liegen gelassener Zeit.

Ruheklang, Vogelflugsphäre ...
Wachse, Gras, über Narben der
Erde, biete Zierplatz auf Brachen
der Flur – mein Vers erwacht in
Kadenzen, im Takt deiner Spur.

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gelber Enzian

Schnitthölzer werden Zaungewinde
im Apparat der Langhausstreben
ein Körper wie aus Basispunkten
will wärmend hohe Trinitäten heben

wenn jenes Armeegrün nicht wäre
am Ohr und zwischen Bodenalgen
umdunkelt ausgekerntes Augenmerk
verlacht hängt Heiterkeit am Galgen

Couleur für monochrome Existenz
am Ei reift osterlichte Nordsee-Marsch
die Zellenflut kreist listig unter Tage
im Bunkerzug schwebt bunter Barsch

so dürfte ich naiv versterben – und
Verse mögen mein Vergnügen erben

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geboten

so prägt ein Gedicht
meine Herkunft
und wölbt sich
zu Anreiz und Geltung

es zeigt mir den Ort
meines Lebens
bewahrt sich
als Inschrift im Wesen

und setzt ein Akkord
solches Sinnen voraus
wie wechseln die Worte
was rüttelt mich auf

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Aschgraues Rascheln

Du schwelgst, geheimnisumwittert, Flaneur der Nacht. Bist du empfänglich? Etwas Erfüllung fange auf, gebührend Platz auch räum Abnormitäten ein. Und rot gefrorne Monde sind uns Mandala. Vom Grübelzwang befreit schenk mir Refrains aus Wechselred und Sonnenglut. Wirst du den Leidensdruck der Menschheit senken? Nicht zwanghaft sei dir Symmetrie der Sterne. Ein Veto hab du nur in petto. Magst imponieren uns en gros, en détail auch bestechen, studiere, lies dich ein in sonderbares Hörvergnügen. Mit Garstigem gespickt solch unerfindlich Witz, dem Schleierhaften lehre ich dich trauen.

Wer sehen will, wird unermesslich weinen! Sei Kundler hier, der Achsen, der Gewölbe. Ergib dich malerischem Kuppelbau. Wie ich, entsprich dem bodenlosen Leichtsinn! Verschreibe dich der Himmelsfeste unterm Schädeldach, aufs Neue wirst du klaftertief und pittoresk emporgewunden. Und höher wird man dir den Schemel schrauben, die Ziele stecken. Verschenk den Tempelritterschatz an schlammig aufgeweichte Böden, wattierter Kappe unter deinem Helm entäußre dich. Enteist! Versenktem Nibelungenhort enthoben. Ambrosisch werden Häupter sich entaschen. Und ich bekunde rätselhaftes Leben.

Es fiele mir im Traum nicht ein, das Rund der Silberpunkte je zu leugnen. Ein schwarzgelocktes Tier spürt freundlich, was meiner Hände Geste sanft verspricht. Denn Fatum bloß fährt gütig ihm durchs Nackenfell, erfasst den Inbegriff der freien Seele. So neig dich mildem Flimmerweiß aus königstreuem Wesen! Akademie, das kennst du nicht. Alsbaldig lasse ab von starren Studien, lös dich von Inhalt, von Bewertung. Dem Kosmos lacht doch stetes Morgen. Arglos verwurzelt, brachial und vorurteilsbeladen? Im Konsens deines Stammes entreiß ich dich der erdgebundenen Erzählung. Entfesselt und naiv.

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büro für sprachgestaltung

János Stefan Buchwardt, lic. phil. I
Bahnhofstrasse 29
CH - 8636 Wald ZH

+41 52 770 22 47
+41 79 754 93 79
botschaft@jstb.ch

János Stefan Buchwardt, büro für sprachgestaltung

Porträt
Porträt 2009, Ermatingen (TG), Schweiz

«Im Anfang war der Logos.»

Als «Spracharbeiter» bewegt sich János Stefan Buchwardt im Bedeutungsspielraum des griechischen Ausdrucks, der im Sinn von Wort und Rede verwendet wird, aber auch geistiges Vermögen und das Prinzip der «Weltvernunft» umfasst. Seine Tätigkeitsfelder als Texter, Lyriker (Ankündigung der Sterblichkeit, scaneg Verlag, München 2000, ISBN 3-89235-513-4; Brian Kraftkerl – ein sortiertes Alpdrücken, Edition Signathur 2006, ISBN 978-3-908141-39-6) und Vorleser, als Souffleur am Schauspielhaus Zürich und als Kulturjournalist, Kolumnist und Theaterkritiker (Thurgauer Zeitung und thurgaukultur.ch) stehen im Dienst mündlichen und schriftlichen Ausdrucks. So beruft er sich über das Wort auf die gepflegte Kunst der Schreib- und Ausdrucksweise.

Laudatio
Laudatio 2011, Steckborn (TG), Schweiz

Seit 2000 besteht das «büro für sprachgestaltung»

, welches der Wahlschweizer von seinem Heimatort Steckborn/Thurgau aus führt. Neben Texterstellung (Auftragsreden und Laudatio, Presseartikel und Vorworte) gehören Lektorat und Korrektorat (Abschlussarbeiten, Bachelorarbeiten, Biografien) zum Leistungskatalog. In der Künstlermonografie «Johannes Diem – Die Stunde der Natur» oder in der veröffentlichten Rede «Verliebt in den Turmhof» tritt Buchwardt als begabter Essayist auf. Textlich begleitet er etwa den Schweizer Künstler Christian Lippuner. Generell steht János Stefan Buchwardt in sprachlichen Belangen mit Rat und Tat zur Seite, trägt Sorge für Wortwahl und Grammatik, für Rechtschreibung und Zeichensetzung – im Endeffekt für sprachliche Bravur und inhaltliche Vervollkommnung des Geschriebenen, aber auch Gesprochenen.

Schreiben, korrigieren, redigieren, rezitieren, soufflieren.

Der ungarnstämmige Literat setzt der Hektik der bewegten Bilder im Medienzeitalter das Wort entgegen. Nicht zuletzt ist die gepflegte Kunst mündlichen Vortrags sein Anliegen. «Das Wort muss bei der heutigen Bilderversessenheit wieder mehr Gewicht erhalten, das Vorlesen an kulturellem Stellenwert gewinnen», so Buchwardt. Seine Faszination für den Reichtum literarischer Werke speist sich aus einem vertieften Sprachbewusstsein. Dem Wort Reverenz erweisen, in seinem besonderen und alltäglichen Gebrauch, heisst für ihn, eine der schönsten Kunstschöpfungen des menschlichen Geistes entdecken.

Lesung
Lesung 2009, Goldach (SG), Schweiz

Für Lesungen im öffentlichen und privaten Rahmen

steht er als Interpret zur Verfügung. Neben bestehenden Rezitationsprogrammen («Der See in seiner tollsten Laune» – eine literarisch-musikalische Revue mit Briefauszügen und Gedichten der deutschen Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff oder Saint-Exupérys «Der kleine Prinz») lassen sich etwa Autoren-, Themen- oder Schulprogramme durchführen. Auf Wunsch werden die literarischen Darbietungen musikalisch (Konzertgitarre: Edmauro de Oliveira, Querflöte: Roman Glaser) begleitet. Sprache und Musik (zum Beispiel Shakespeares Sonette kombiniert mit John Dowlands elisabethanischer Lautenmusik) verbinden sich hier zu einem ganz besonderen Hörvergnügen und erfrischenden Kunstgenuss.